Der HC Oppenweiler/Backnang kommt nicht voran. Der Zweitliga-Aufsteiger hat beim TSV Bayer Dormagen mit 24:29 verloren. Dabei wäre im Duell zweier Teams aus dem Tabellenkeller mehr möglich gewesen. Ein 3:12-Lauf in der ersten Halbzeit brachte die Gäste aber entscheidend ins Hintertreffen.

Von Alexander Hornauer

Die HCOB-Handballer starten gut in das wichtige Auswärtsspiel. Außenspieler Martin Schmiedt wurde in Szene gesetzt und nutzte die Chance zur Führung. Auch die folgenden Minuten machten Mut. Die HCOB-Handballer setzten die Rückraumspieler gut in Szene, diese sorgten für Tore aus der zweiten Reihe. Dominik Weiß belohnte einen Ballgewinn mit einem Konter, nach vier Minuten führte der Aufsteiger mit 4:1.
Dann ließen die Gäste erste Torgelegenheiten liegen und der ehemalige Bundesligist glich zum 5:5 aus. Mit einem gehaltenen Siebenmeter von Janis Boieck erlangte der HCOB die Oberhand zurück und ging wenig später erneut mit drei Toren in Führung – 9:6. „Wir hatten einen klaren Plan und haben ihn in den ersten 15 Minuten sehr gut umgesetzt“, fand Trainer Stephan Just nach dem Spiel.

Sein Pendant auf Dormagener Seite, Julian Bauer, nahm eine Auszeit. Er ließ seine Abwehr offensiver heraustreten, um die Rückraumspieler des HCOB unter Druck zu setzen. Eine taktische Maßnahme, von der Stephan Just im Nachhinein sagen musste: „Dadurch haben wir uns sehr beeindrucken lassen.“ Dem HCOB fiel im Angriff nicht mehr viel ein und die Gäste blieben minutenlang ohne Torerfolg.
Die Dormagener Handballer agierten hingegen trotz des Anfangsrückstandes selbstbewusst. „Wir haben mittlerweile eine Stressresilienz entwickelt, die für das Alter meiner Spieler beeindruckend ist“, urteilte Trainer Julian Bauer hernach. Sie spielten, als hätte sie die Anfangsphase nicht aus der Ruhe gebracht. Innerhalb weniger Minuten drehten die Einheimischen die Partie. Sie nutzten Ballgewinne für einen schnellen Ballvortrag und kamen durch sauber einstudierte Gegenstoßvarianten zu Torerfolgen. Der HCOB begünstigte das durch ein unzureichendes Rückzugsverhalten.

Hinzu kam, dass die Abwehr auch gegen den Positionsangriff nicht mehr funktionierte. Seine Mannschaft sei „zu fahrig“ gewesen, kritisierte Trainer Stephan Just. Dadurch seien Räume für die Heimmannschaft entstanden, zudem gab es drei Zeitstrafen in kurzer Zeit. Diese Überzahlspiele nutzte die Heimmannschaft geschickt aus. Vor allem Moritz Köster war kaum zu bremsen. Der Rückraumspieler glänzte als Torschütze und als Vorbereiter für das Werksteam.

All diese Faktoren mündeten in einen Dormagener 12:3-Lauf, ohne dass der Aufsteiger irgendein probates Mittel fand, diesen wirkungsvoll zu unterbrechen. Dass die Partie zur Pause nicht schon vorentschieden war, lag an der Schlussminute des ersten Durchgangs. In der netzte zunächst HCOB-Rechtsaußen Felix Klingler von Rechtsaußen ein, dann traf Zugang Malte Dederding mit einem Fernwurf übers ganze Feld zum 14:18-Pausenrückstand.

Nach dem Seitenwechsel mühten sich die Murrtaler um den Anschluss. Einsatz und Wille stimmten. Die Chancen, ein bisschen heranzurücken, waren da. Die HCOB-Handballer spielten sich wieder mehr Torgelegenheiten heraus. Frei vor dem gegnerischen Tor ließen sie aber zu viel liegen. Torwart Christian Ole Simonsen avancierte auf Dormagener Seite zum Spieler des Tages. So lief der HCOB zunächst einem Rückstand von vier bis fünf Toren hinterher.

Nach einer Dreiviertelstunde häuften sich bei den Dormagenern die technischen Fehler. Der HCOB kam in Unterzahl durch einen Treffer von Nick Fröhlich auf 22:24 heran. In dieser Phase bot sich die Chance zur Wende – es waren schließlich noch zwölf Minuten auf der Uhr. Dormagens Coach Julian Bauer öffnete erneut das Buch der taktischen Möglichkeiten und ließ seine Mannschaft mit einem siebten Feldspieler agieren. Diese Maßnahme brachte das eine oder andere Tor, was Dormagen wieder Luft verschaffte.

Zugleich unterliefen den Gastgebern in dieser Phase aber auch einige technische Fehler, die dem HC Oppenweiler/Backnang die Chance boten, die Partie wieder spannend zu machen. Allerdings machten die Spieler des Aufsteigers zu wenig aus diesen Ballgewinnen. Weder gelang ein Treffer ins zeitweise verwaiste gegnerische Tor noch gelang es, Gegenstoßtore über die erste, zweite oder dritte Welle zu initiieren. Es fehlte zu oft an einer Anspielstation für einen Konter. So mussten die HCOB-Handballer ihr Glück im Positionsangriff suchen. Da gelangen nur noch zwei Tore in den letzten zwölf Minuten.
Die Scouter der Handball-Bundesliga zählten übers ganze Spiel hinweg 25 Fehlwürfe durch die HCOB-Handballer – zu viel, um das Spiel zu gewinnen, trotz verheißungsvoller Anfangsphase und obwohl die Einheimischen bei der Zahl der technischen Fehler ein klares Übergewicht hatten. Das störte diese am Ende aber nicht: sie bejubelten den zweiten Sieg in Serie, haben wichtige Punkte im Abstiegskampf gesammelt. Der HCOB indes klemmt am Tabellenende fest.