Sarah Schumacher: Erfolgreiche Minigolf-WM mit zwei Titeln
Mit ruhiger Hand, kühlem Kopf und einem unerschütterlichen Teamgeist hat sich Sarah Schumacher auch 2025 wieder an die Weltspitze des Minigolfs gespielt. Bei der Weltmeisterschaft im Sauerland gewann die 25-jährige Wurmlingerin drei Medaillen, darunter zwei goldene – ein Triumph, der nicht nur sportlich, sondern vor allem auch persönlich von großer Bedeutung für die Master-Studentin war. Denn der Weg dorthin war kein gerader: Nervosität, Selbstzweifel und die ständige Suche nach Perfektion begleiteten sie lange Zeit. Im Interview erzählt die Weltmeisterin, wie sie es geschafft hat, ihre mentale Stärke zu finden, welche Rolle ihr Umfeld dabei spielte und warum Minigolf viel mehr ist als „nur“ ein Freizeitspaß mit bunten Bahnen.

Autor:Lara Auchter
Erleichterung und Freude bei Sarah Schumacher über ihre Erfolge bei der WM. Fotos: Sebastian Heine
Sarah, drei Medaillen bei einer Heim-Weltmeisterschaft – wenn du zurückblickst, was überwiegt: Freude, Stolz oder Erleichterung?
Sarah Schumacher: Es ist ein Mix aus allem. Stolz, weil ich trotz vieler Hürden auf diesem Niveau abgeliefert habe. Freude, weil diese Medaillen für mich auch ein Symbol sind: Ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Und Erleichterung, weil es Momente gab, in denen ich wirklich gezweifelt habe, ob ich das schaffen kann.
Lass uns kurz zurückspulen. Du sagst, es war ein schwieriger Weg. Was genau war so herausfordernd?
Sarah Schumacher: Direkt vor der WM war ich mental blockiert. Im Training lief nichts, ich hatte das Gefühl, nicht das abzurufen, was in mir steckt. Und das ist brutal, wenn du genau weißt, welche Erwartungen – auch die eigenen – auf dir lasten. Ich habe viel mit meiner Sportpsychologin gearbeitet, teilweise noch in der heißen Phase direkt vor dem Wettkampf. Ohne diese Unterstützung wäre ich wahrscheinlich nicht in dieser Form angetreten.
Was hat dir in dieser Situation konkret geholfen?
Sarah Schumacher: Der wichtigste Schritt war, den Perfektionsdruck loszulassen. Ich habe gelernt, dass Rückschläge keine Niederlagen sind, sondern Chancen. Früher hätte ich gedacht: „Das war‘s, ich kann das nicht.“ Heute sage ich: „Okay, das gehört dazu.“ Dadurch wurde ich ruhiger. Und ich habe mir ganz bewusst auch Dinge abseits des Sports gegönnt – Treffen mit Freunden, kleine Auszeiten, Musik. Das hat mich wieder geerdet.
Dein ursprüngliches Ziel war Gold im Einzel – dann hast du das Strokeplay-Finale verpasst. Wie bist du mit dieser Enttäuschung umgegangen?
Sarah Schumacher: Das war ein Schlag ins Gesicht. Mein Plan war, oben anzugreifen, und plötzlich war ich raus. Da kamen kurz Selbstzweifel. Aber dann habe ich mir gesagt: Reset. Abhaken. Ich wollte nicht in Selbstmitleid versinken, sondern schauen, was noch möglich ist. Am Ende hat genau diese Haltung mir geholfen, die weiteren Wettbewerbe so erfolgreich zu gestalten.
Das Mixed-Turnier war dann der große Wendepunkt, oder?
Sarah Schumacher: Ja, definitiv. Mit Lukas Neumann zu spielen war unglaublich motivierend. Wir haben uns gegenseitig getragen, Fehler sofort abgehakt und nach vorne geschaut. Das war pure Freude am Spiel. Als wir am Ende Silber gewonnen haben, war das für mich fast so wertvoll wie Gold. Weil ich gespürt habe: Ich kann performen, auch wenn es zuvor Rückschläge gab.
Dann kam das Matchplay und dort warst du wie ausgewechselt…
Sarah Schumacher: Ja (lacht), das hat sich tatsächlich so angefühlt. Am Abend vorher hat mir meine Schwester ein Lied geschickt: „Ich bin ich“ aus Starlight Express. Das habe ich mir in Dauerschleife angehört. Am nächsten Tag war ich völlig im Flow. Konzentriert, aber gleichzeitig entspannt. Ich hatte den absoluten Glauben an mich selbst und habe es genossen, auf dieser großen Bühne performen zu dürfen.
Dein Sport lebt extrem von Präzision und mentaler Stärke. Wie würdest du den Kopf-Anteil am Erfolg beschreiben?
Sarah Schumacher: 70, vielleicht sogar 80 Prozent. Technik und Training sind die Basis, klar. Aber wenn du nervös bist oder dir selbst im Weg stehst, bringt dir die beste Technik nichts. Jeder Schlag zählt – und wenn du einen Fehler machst, musst du sofort weitermachen. Diese Fähigkeit, im Moment zu bleiben, macht den Unterschied.
Ist das auch der Grund, warum du dich als Speakerin so stark auf mentale Themen fokussierst?
Sarah Schumacher: Absolut. Minigolf ist eine riesige Metapher fürs Leben und Arbeiten. Konzentration, Fehlerkultur, Resilienz – das sind Dinge, die auch in Unternehmen entscheidend sind. Ich erzähle in meinen Keynotes davon, wie man Rückschläge in Chancen verwandelt, wie man Routinen entwickelt und wie man Ziele plant. Erfolg ist planbar, aber das Leben schreibt trotzdem seine eigenen Regeln.
Das klingt nach einer klaren Botschaft. Hast du das Gefühl, dass der Sport selbst davon profitiert, wenn du als Botschafterin unterwegs bist?
Sarah Schumacher: Ja, und das ist mir sehr wichtig. Viele verbinden Minigolf nur mit Freizeit, mit Spaß und Sommer. Aber international ist es ein Leistungssport, mit Weltmeisterschaften, Druck und taktischen Spielchen. Ich möchte dazu beitragen, dass das gesehen und ernst genommen wird. Jede Medaille und jeder Vortrag ist eine Chance, Minigolf sichtbarer zu machen.
Volle Konzentration vor den Augen der Zuschauer.
Wenn wir nach vorne schauen: Was sind deine Ziele für die kommenden Jahre?
Sarah Schumacher: Sportlich will ich mich weiterentwickeln, aber auch meinen Horizont erweitern. Vielleicht noch einmal eine WM spielen, vielleicht junge Talente begleiten. Und parallel meine Speakerinnen-Tätigkeit ausbauen. Sicher ist: Ich will beides verbinden – Spitzensport und Business. Ich möchte zeigen, dass Minigolf nicht nur ein Spiel ist, sondern eine Schule fürs Leben.
Was würdest du jungen Athletinnen und Athleten mitgeben, die dich als Vorbild sehen?
Sarah Schumacher: Glaubt an euch, auch wenn es Rückschläge gibt. Lernt, Fehler nicht als Katastrophe zu sehen, sondern als Möglichkeit. Sucht euch Menschen, die euch unterstützen – Trainer, Psychologen, Familie. Und ganz wichtig: Vergesst nie den Spaß am Spiel. Denn am Ende sind es genau diese Momente, die bleiben.