Carolina Krafzik: Als Grundschullehrerin zu Olympia 2024
Carolina Krafzik zählt zu den erfolgreichsten deutschen Hürdensprinterinnen der vergangenen Jahre. Als Spezialistin über 400 Meter Hürden vertrat sie Deutschland bei Europa- und Weltmeisterschaften, sowie zweimal bei den Olympischen Spielen. Nach den Spielen in Paris beendete sie 2024 ihre aktive Laufbahn. Doch während viele Athletinnen und Athleten nach dem Karriereende erst nach Orientierung suchen, hatte die 30-Jährige vom VfL Sindelfingen früh einen klaren Plan: Sie wollte Lehrerin werden. Heute arbeitet die neunfache Deutsche Meisterin im Schuldienst, unterrichtet Sport und Deutsch und spricht offen darüber, wie sie den Übergang vom Spitzensport in den Schulalltag erlebt hat und was sie aus ihren Erfahrungen als Sportlerin mit in das Klassenzimmer nehmen kann.

Autor:Lara Auchter
Carolina, du hast nach den Olympischen Spielen 2024 deine sportliche Karriere beendet. Wie verlief für dich der Übergang in das „Rentner-Dasein“?
Carolina Krafzik: Ziemlich fließend tatsächlich. Dadurch, dass ich schon während meiner aktiven Karriere in meinem jetzigen Beruf gearbeitet habe, war es für mich keine allzu große Umstellung. Klar war das Leben als Sportlerin und gleichzeitig als Lehrerin sehr durchgetaktet, aber ich bin schon während des Studiums gut damit klargekommen und konnte Training und Wettkämpfe gut strukturieren. Letztendlich hat mir der Sport genau das gegeben, was ich jetzt im Unterricht auch brauche: Geduld, Struktur und Flexibilität.
Gab es für dich einen bestimmten Moment oder war es ein längerer Prozess, der dich zum Rücktritt bewegt hat?
Carolina Krafzik: Es war ein längerer Prozess. Den Gedanken hatte ich tatsächlich schon 2022 nach der Heim-EM in München das erste Mal im Kopf – wenn auch nur kurz. Danach hatte ich viele Hochs, aber auch einige Tiefs mit Verletzungen und verpatzten Rennen. Letztendlich hat es sich richtig angefühlt, in Paris meinen letzten Wettkampf zu laufen und gemeinsam mit meinem langjährigen Trainer Werner Späth meine Karriere zu beenden.
War für dich schon immer klar, dass du Lehrerin werden willst?
Carolina Krafzik: Ja. Ich wusste ziemlich schnell, was ich machen möchte. Als ich mit meinem Lehramtsstudium angefangen habe, war ich noch nicht sehr erfolgreich im Sport. Nachdem ich dann von Kurz- auf Langhürden umgestiegen bin und tatsächlich Erfolge feiern konnte, wurde es natürlich schwieriger, das Studium und den Sport unter einen Hut zu bekommen. Aber ich konnte durch einen guten Zeitplan und viel Disziplin beides erfolgreich meistern.
Carolina Krafzik bei den Olympischen Spielen 2024 im Pariser Stade de France. Foto: privat
Du hast dein Studium direkt vor der Corona-Pandemie beendet und bist in das Referendariat gestartet. Wie war diese Zeit für dich?
Carolina Krafzik: Ich habe mein Referendariat im Februar 2020 begonnen. Kurz darauf kam die Pandemie und damit einhergehend auch eine völlig veränderte Tagesstruktur. Aber ich hatte durch das Land Baden-Württemberg die Möglichkeit, eine Sonderstelle zu bekommen, die spezifisch für Leistungssportler bestimmt war. Dadurch habe ich zwar ganz normal in Vollzeit gearbeitet, wurde aber für Wettkämpfe und Trainingslager freigestellt. Nach dem Abschluss war ich dann bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris als fertig ausgebildete Lehrerin in Teilzeit an der Schule und wurde auch dabei vom Land unterstützt.
Du hast schon ein paar Dinge angesprochen, die du aus dem Sportlerleben in deinen Berufsalltag übertragen kannst. Was nimmst du sonst noch mit in den Unterricht?
Carolina Krafzik: Tatsächlich sehr viel. Im Sport lernst du, dass nicht jeder Tag perfekt ist, du aber trotzdem funktionieren musst. Du lernst, mit Druck umzugehen, dich auf dich selbst zu fokussieren und Rückschläge zu verarbeiten – Dinge die ich meinen Schülern mitgeben kann, z.B. bei Klassenarbeiten oder schlechten Noten.
Du hast während deiner gesamten sportlichen Laufbahn parallel an deiner beruflichen Karriere gearbeitet. Ist es dir schwer gefallen, als plötzlich einer der beiden Schwerpunkte weg war?
Carolina Krafzik: Tatsächlich ist es mir gerade deswegen leichter gefallen. Ich hatte etwas, was auf mich gewartet hat, eine Aufgabe nach dem Sport. Ich habe zwar eine Karriere beendet, konnte mich aber wenige Wochen später mit der Vollanstellung bei der Schule schon voll und ganz auf den Beruf konzentrieren. Dort, wo andere nach dem Rücktritt in ein Loch fallen, habe ich es durch meine bereits aktive berufliche Karriere geschafft, den Sport loszulassen. Auch der Moment nach den Olympischen Spielen war für mich genau richtig. Ich musste niemandem mehr etwas beweisen und war zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Und jetzt genieße ich es, auch mal Dinge zu tun, die ich durch den Leistungssport früher nie machen konnte – mal nachmittags ins Café oder abends ins Kino zu gehen, ohne wegen des Sports ein schlechtes Gewissen zu haben.