Der HC Oppenweiler/Backnang tut sich in der zweiten Handball-Bundesliga weiter schwer. Auch beim TV Großwallstadt verlor der Aufsteiger deutlich mit 28:41 und verbleibt damit am Tabellenende. Es mangelt derzeit an Sicherheit und an Stabilität in vielen Belangen.

Von Alexander Hornauer

Die Liste der Themenfelder, die die neuen Coaches Tobias Klisch und Volker Blumenschein gemeinsam mit ihrer Mannschaft bearbeiten müssen, ist umfangreich. Das war vor der Partie beim Traditionsverein (siebenmal deutscher Meister, fünfmal Europapokalsieger) klar. Vor den 1520 Zuschauer in der Untermainhalle Elsenfeld wurden die Defizite erneut deutlich aufgezeigt.

Interessant ist in diesem Kontext ein Begriff, den der Großwallstädter Trainer André Lohrbach nach dem Spiel verwendete. Er lobte seine Mannschaft, die den vierten Sieg in Folge eingefahren hat, für einen hervorragenden Auftritt. Besonders betonte er die „hohe Intensität“, mit der seine Akteure die Begegnung bestritten hatten. Sie agierten mit großem läuferischem Aufwand, setzten den Gegner unter Druck, waren hochkonzentriert und wild entschlossen.

Den HCOB-Handballern sind diese Eigenschaften derzeit abhandengekommen. Trainer Tobias Klisch urteilte kritisch: „In der ersten Halbzeit hat man keinen Unterschied zur vergangenen Woche gesehen.“ Das stimmte, wenn auch nicht für die ersten Minuten. In diesen setzte der HCOB Akzente. Rechtsaußen Felix Klingler brachte die Gäste mit einem Konter in Führung. Das zweite Tor gelang über eine schnelle Mitte.

Doch die vielversprechende Phase nahm ein schnelles Ende. Der HCOB ließ einige sehr gute Torgelegenheiten aus. Die Angreifer scheiterten oft am starken Torwart Stefan Hanemann. Er wehrte 34 Prozent aller Würfe ab. Das führte zu Gegentoren durch Konter.

Hinzu kam eine nicht zupackende Abwehr. Vor allem Kreisläufer Axel Skaarnæs bekam viel zu wenig Druck und erzielte ein Tor nach dem anderen. Dem HCOB mangelte es an eingeübten Mechanismen, einer klaren Rollenverteilung in der Defensivarbeit und an Schwächen in der Zweikampfführung. All das sorgte dafür, dass der TV Großwallstadt die Partie schnell auf seine Seite zog.

Konfrontiert mit den Erfahrungen, die die HCOB-Handballer zuletzt wiederholt gemacht hatten, schwand das Selbstvertrauen beim Aufsteiger. Das Angriffsspiel wurde statisch. Die Zahl der technischen Fehler stieg und belief sich am Ende auf 18 – dreimal soviele wie beim TVG. Trainer Tobias Klisch analysierte dann auch das Offenkundige: „Man sieht die Unsicherheit.“
Großwallstadts Coach André Lohrbach hingegen freute sich darüber, wie sein Team „im Flow“ agierte. Der Sportredakteur der Main-Post hatte die Überschrift „Souveräne Vorstellung“ schon zur Pause in seinen Computer eingetippt. Dem etablierten Zweitligisten gelang nahezu alles. Zum Abschluss jagte Finn Wullenweber mit der Sirene einen direkten Freiwurf zum 26:14 ins Tornetz.

In Durchgang zwei war zwangsläufig keine Spannung mehr geboten. Die Begegnung verlief nun ausgeglichener. Allerdings war die Frage nach der Punkteverteilung zu diesem Zeitpunkt eben geklärt. Coach Tobias Klisch sah zumindest einige positive Aspekte: „Darauf lässt sich ein bisschen mehr aufbauen.“ So nutzte Rechtsaußen Felix Klingler die Vorlagen seiner Mitspieler zu vier Feldtoren aus fünf Versuchen. Auch bei zwei Siebenmeterwürfen agierte er treffsicher. Vielversprechend war zudem der Auftritt von Zugang Malte Dederding, der im rechten Rückraum gute Aktionen hatte.

Und zuletzt: auch im Gegenstoßspiel war wieder mehr Tempo zu erkennen. Dass es nur zu drei Eintragungen in der Spielstatistik reichte, lag daran, dass die Abstimmung im Detail fehlt. Der finale Pass kam oft nicht an. Ein Problem, das die Mannschaft schon seit der Vorbereitung mit sich herumträgt. Diese sei, erläuterte Großwallstadts Coach André Lohrbach nach dem Spiel, auch beim TVG nicht allzu gut verlaufen. „Mit den Schlüssen, die wir daraus gezogen haben, war sie aber sehr wertvoll, weil wir jetzt sehr stabil auf einem gewissen Niveau abliefern können.“ Diese Schritte wollen Tobias Klisch und Volker Blumenschein nun auch mit ihrem Team angehen. „Die Aufgabe ist nun, der Mannschaft mehr Stabilität zu geben“, sagte Tobias Klisch.