Der HC Oppenweiler/Backnang war in der zweiten Handball-Bundesliga gegen Spitzenteam VfL Eintracht Hagen chancenlos. Besonders ärgerlich bei der deutlichen 31:42-Niederlage war: schon in den Anfangsminuten verloren die Gastgeber den Anschluss. Und dabei wiederholte sich ein Problem, das dem Aufsteiger schon vor Wochenfrist zu schaffen gemacht hatten.

Von Alexander Hornauer

Sieben Tage zuvor hatten die HCOB-Handballer in Dormagen gut begonnen. Sie verloren jedoch komplett den Faden, als der Gegner seine Abwehr offensiver agieren ließ. Dem Hagener Trainer Pavel Prokopec war das beim Videostudium nicht entgangen, und so ließ er sein Team gleich von Beginn an offensiv decken. Und die Geschichte wiederholte sich. Auch die Handballspieler aus Hagen erwischten die Heimmannschaft damit auf dem falschen Fuß.

„Wir haben uns“, gestand HCOB- Trainer Stephan Just nach Spielende geknirscht ein, „in der ersten Phase des Spiels von dieser offensiven, aggressiven Abwehr, die unangenehm ist, zu sehr stressen lassen.“ Man hätte sich viel vorgenommen, aber wenig umsetzen können, ergänzte er.

Den Gastgebern unterliefen technische Fehler und Pavel Prokopec freute sich, wie seine Taktik aufging. „Wir waren gut vorbereitet und haben es in der Kooperation von Abwehr und Torwart gut gelöst“, sagte er – und zielte vor allem darauf ab, dass sein gut aufgelegte Keeper Pascal Bochmann nur wenig Tore des HCOB-Rückraums hinnehmen musste, dem der Coach des Gästeteams durchaus „Wurfgewalt“ attestierte, auch wenn mit Jan Forstbauer ein Routinier krank fehlte.

Ergebnistechnisch führte das dazu, dass die Gäste schon nach zwölf Minuten mit 8:3 führten und Trainer Stephan Just bei einer Auszeit „mehr Überzeugung“ einforderte. Im Angriff gelangen den HCOB-Handballern fortan tatsächlich mehr erfolgreiche Aktionen, auch spielerischer Art, allerdings klingelte es hinten weiter regelmäßig.

Die Hagener ließen den Ball sehr gut laufen, kamen zu freien Abschlüssen, oft über den Kreis. Rückraumspieler Pouya Norouzi Nezhad führte glänzend Regie, Außen Hakon Styrmisson (zehn Tore) war ebenfalls kaum zu stoppen. Die Westfalen setzten sich bis zur 22. Minute auf 15:7 ab. Dann hatten die Gastgeber ihre besten Minuten in Durchgang eins. Sie kamen bis zum Seitenwechsel auf 14:19 heran.
Als die Hausherren nach dem Seitenwechsel sogar auf 17:20 verkürzten, wäre das von den nackten Zahlen her eine durchaus denkbare Ausgangslage für eine Aufholjagd gewesen. Allerdings waren die Hagener dafür zu geschickt und zu clever. Sie brachten ihre Überlegenheit schnell wieder auf die Anzeigetafel.

Ihr Angriffsspiel war gut und stabil, die Eintracht-Handballer mussten kaum aus dem Rückraum werfen, sondern kamen regelmäßig zu freien Abschlüssen aus sechs Metern. HCOB-Keeper Janis Boieck hatte da einen schweren Stand und konnte oft nichts ausrichten. Nach 41 Minuten stand es 24:18, damit war wieder viel Luft zwischen beiden Teams. Auch Stephan Just musste anerkennen: „Wir sind heute über 60 Minuten nicht für Punkte in Frage gekommen.“

Die Heimmannschaft versuchte sich in der Schlussviertelstunde mit einem siebten Feldspieler. Die Maßnahme, vom HCOB in dieser Saison erstmals in größerem Umfang eingesetzt, brachten durchwachsenen Erfolg. Stephan Just formulierte es diplomatisch: „Da waren viele gute, aber auch viele weniger gute Sachen dabei.“

Zunächst einmal unterliefen den Spielern der Heimmannschaft trotz eines Mannes mehr vor allem technische Fehler. Die wiederum nutzte Hagen zu den sogenannten „einfachen“ Toren, Konter oder Würfe in das verwaiste Tor. Der Rückstand wuchs auf zehn Tore an. Dann hatten die Gastgeber auch gute Aktionen. Valentin Abt nutzte mehrmals Räume zu Durchbrüchen und erfolgreichen Abschlüssen, der Rückraumspieler kam auf sechs Tore – ein guter Auftritt, vor allem, weil er unter der Woche krank war und sein Einsatz lange ungewiss war.

Unterm Strich aber gelang dem HCOB auch keine wirkliche Ergebniskosmetik mehr. Am Ende stand eine ernüchternde Heimniederlage. Hagen sei in einer anderen Sphäre unterwegs, betonte Trainer Stephan Just nach Spielende. Tatsächlich ist Hagen mit 11:3 Punkten ganz weit vorne auf Platz drei, vielleicht ein Kandidat für den Aufstieg in die Bundesliga. Und trotzdem: Elf Tore Unterschied sind schon eine Marke. Auch nach acht Pflichtspielen – einmal Pokal, siebenmal Meisterschaft – wartet der Aufsteiger auf einen Sieg. Es gibt viel zu tun.