Handball-Drittligist HC Oppenweiler/Backnang ist nach Auswärtssieg weiter Tabellenführer und kann im nun anstehenden Heimspiel die Qualifikation für die Aufstiegsrunde klar machen

Die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang haben einen ganz wichtigen Auswärtssieg eingefahren. Sie setzten sich bei Schlusslicht SG Köndringen/Teningen mit 33:31 durch, verteidigten damit ihre Tabellenführung – und können nun am kommenden Samstag mit einem Heimsieg gegen den TSB Horkheim vorzeitig die Qualifikation für die Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga klarmachen. Mann des Tages war der zehnfache Torschütze Martin Schmiedt.

Von Alexander Hornauer

Tabellarisch war der HCOB Favorit, er wurde dieser Rolle am Ende auch gerecht. Aber es war knapp. Die gastgebende SG Köndringen/Teningen trat so engagiert und ambitioniert auf, dass sich die Frage stellte, warum der Aufsteiger direkt wieder runter muss. Mit der Leistung vom Samstag wäre über die gesamte Runde mehr möglich gewesen. Allerdings sind derartige Überlegungen rein spekulativ. Vielleicht spielten die Schützlinge des scheidenden Coaches Michael Schilling auch deshalb so gut auf, weil sie überhaupt keinen Druck mehr hatten. Der HCOB hatte jedenfalls mächtig zu tun, um den überhaupt erst dritten Sieg nach 1987 und 2017 in der Ludwig-Jahn-Halle einzufahren. Das zeigt im Umkehrschluss allerdings auch, dass Erfolge im Breisgau – Tabellensituation hin oder her – keine Selbstverständlichkeit sind, in heimischer Umgebung ist immer mit der SG zu rechnen.

HCOB-Coach Volker Blumenschein sah das genauso: „Wir hatten heute nicht das Gefühl, gegen eine Mannschaft aus dem hinteren Tabellenbereich zu spielen. Sie SG ist sehr leidenschaftlich aufgetreten.“ In der ersten Halbzeit wechselten sich beide Mannschaften in der Führungsarbeit ab. Mehr als zwei Treffer Vorsprung waren für beide Seiten nicht drin, schnell stand es wieder Remis. Der HCOB nutzte seinen breiten Kader, kam von allen Positionen zum Torerfolg, bei der SG lief viel über die Rückraumspieler Maurice Bührer und Sebastian Endres, die entweder selbst trafen oder Kreisläufer Axel Simak in Szene setzten. Die Murrtaler hatten in einigen Phasen die Gelegenheit, sich einen größeren Vorsprung herauszuwerfen, ließen aber zu viele Bälle im Gegenstoß liegen. Dafür zeigte Rückraumspieler Felix Raff, der aufgrund von Semesterferien derzeit mit dem Team trainiert und in Teningen zu seinem vierten Saisoneinsatz kam, eine gute Form. In der Schlussphase des ersten Durchgangs traf er zweimal und hatte daran Anteil, dass es zur Pause 15:15 stand.

Nach dem Seitenwechsel nahm die Intensität in der Begegnung zu. Die Mannschaften ließen nun fast keinen Gleichstand mehr aus. Zahlreiche Hinausstellungen auf beiden Seiten sorgten dafür, dass es zeitweise hitzig wurde. Die Schiedsrichter hatten Probleme, alle Situationen richtig zu bewerten, zum Glück traf es beide Teams in etwa gleich. Die SG kam gegen die nicht immer sattelfeste HCOB-Hintermannschaft zu Toren aus dem Rückraum, lag um die 40. Minute einige Male mit zwei Toren vorn. Die Mannschaft um Trainer Volker Blumenschein konnte sich allerdings auf Linksaußen Martin Schmiedt verlassen. Er wurde von seinen Mitspielern immer wieder mit viel Raum in Szene gesetzt und erzielte zehn Tore bei nicht viel mehr Versuchen. Er verkürzte, dann netzte Jakub Strýc nach einem Ballgewinn aus 30 Metern Torentfernung zum 24:24 ein. Daniel Schliedermann legte nach, die Führung für den HCOB war da – fortan gaben die Gäste den Takt vor.

Die SG mühte sich, mitzuhalten, vor allem Fabrizio Spinner hielt sein Team mit Toren aus der zweiten Reihe nun im Match. Aber die Gäste stabilisierten sich im Abwehrzentrum, trotz des Ausfalls von Tim Düren, der nach drei Hinausstellungen auf den Zuschauerrängen Platz nehmen mussten. „Wir haben hinten im Innenblock dicht gemacht, die Würfe auf Außen verlagert, und die hat Jürgen Müller dann weggemacht“, erklärte Coach Volker Blumenschein, warum das Pendel in der Schlussphase zugunsten seiner Mannschaft ausschlug. Ein weiterer Grund war die Treffsicherheit von Martin Schmiedt, der immer wieder auf zwei Tore Vorsprung stellte. Vor allem Timm Buck setzte den Außen gut in Szene, er dankte es mit zahlreichen Treffern. Kurz vor dem Ende hatte er aber Pech, als ihm der Torschiedsrichter eine Minute vor dem Ende bei einem Wurf aus dem Zentrum durch Gestik und Mimik zu verstehen gab, dass der Ball seiner Wahrnehmung nach nicht vollständig über der Torlinie gewesen wäre. Das wäre das 33:30 gewesen. Stattdessen kam die SG Köndringen/Teningen in Ballbesitz, nahm eine Auszeit und  verkürzte 30 Sekunden vor dem Abpfiff auf 31:32. Die Gastgeber versuchten nun, einen Ballgewinn zu provozieren. Der HCOB fand aber das richtige Mittel gegen die offene Deckung. Wieder brach Martin Schmiedt durch, nun war der Ball eindeutig hinter der Linie, sein zehntes Tor bedeutet das 33:31. Der Sieg war eingetütet. Das Derby gegen Horkheim kann kommen.

 

Stimmen zum Spiel

HCOB-Trainer Volker Blumenschein: „Wir hatten heute nicht das Gefühl, gegen eine Mannschaft aus dem hinteren Tabellenbereich zu spielen. Sie SG ist sehr leidenschaftlich aufgetreten. Am Ende hatten wir das Glück, das man hat, wenn man vorne steht. Wir haben hinten im Innenblock dicht gemacht, die Würfe auf Außen verlagert, und die hat Jürgen Müller dann weggemacht. Vorne haben wir die Tore dann gemacht und das Spiel für uns entschieden. Damit sind wir weiter Erster. Klar ist aber: Wir können deutlich besser spielen als heute.“

 

Rund ums Spiel

Philipp Maurer hat in Teningen sein 250. Spiel für den TV Oppenweiler beziehungsweise den HC Oppenweiler/Backnang absolviert. Damit ist der zehnte Spieler im prestigeträchtigen „Club 250“, gemeinsam mit Bernhard Scheib, Benjamin Röhrle, Jonas Frank, Sebastian Forch, Ruben Sigle, Florian Frank, Jürgen Buck, Rainer Böhle und Stefan Merzbacher.

Es ist nur eine Randnotiz, denn das erklärte Ziel ist die Qualifikation für die Aufstiegsrunde. Fakt ist aber auch: Durch den Sieg in Teningen hat sich der HCOB fix mindestens für den Ligapokal qualifiziert. Denn auch wenn nun alles schief geht, weiter als auf Rang vier können die Murrtaler in der Tabelle nicht mehr zurückfallen.