Jello Krahmer: Neumitglied der DOSB-Athletenkommission
Die DOSB-Athletenkommission vertritt als Gremium des Deutschen Olympischen Sportbundes die Interessen der Aktiven im Verband und im Präsidium. Anfang November wurden die Mitglieder der neunköpfigen Kommission neu gewählt. An der Spitze löst die Ruderin Pia Greiten die Stuttgarterin Karla Borger als Vorsitzende ab. Neu im Gremium ist auch der Schorndorfer Ringer Jello Krahmer. Wir haben uns mit dem 30-jährigen Olympiateilnehmer von 2024 unterhalten und nachgefragt, was seine Aufgaben in der Athletenkommission sind und wie es zu seinem sportpolitischen Engagement kam.

Autor:Ralf Scherlinzky
Jello, herzlichen Glückwunsch zur Wahl in die Athletenkommission. Wie kam es dazu, dass du dich als aktiver Ringer jetzt auch sportpolitisch engagierst?
Jello Krahmer: Ich bin schon lange politisch interessiert, hatte bisher aber noch keine sportpolitischen Erfahrungen. Natürlich verfolge ich aber mit, was in Sportdeutschland alles passiert. Letztendlich war für mich der Ansatz ausschlaggebend, dass ich nicht nur meckern, sondern auch versuchen wollte, mitzugestalten und Dinge zu verbessern, die mir so nicht gefallen. Ein weiterer Faktor war, dass der Kampfsport in solchen Gremien sehr unterrepräsentiert ist und ich als Ringer diesen auch glaubhaft auf sportpolitischer Ebene repräsentieren möchte.
Was gab jetzt den Ausschlag für deine Kandidatur?
Jello Krahmer: Am Olympiastützpunkt Stuttgart treffe ich regelmäßig Karla Borger, die bis Anfang November nicht nur Vorsitzende der Athletenkommission, sondern auch Präsidentin der Interessensvertretung Athleten Deutschland war. Wir unterhalten uns dabei regelmäßig auch über sportpolitische Dinge und ich war mehr und mehr davon überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, selbst aktiv zu werden.
Erklär unseren Lesern doch bitte mal, was die DOSB-Athletenkommission eigentlich ist und was sie macht…
Jello Krahmer: Wir in der DOSB-Athletenkommission vertreten die Interessen aller Bundeskader-Athletinnen und -Athleten in Deutschland. Wir bringen ihre Perspektiven in Entscheidungen des Sports ein – von Förderstrukturen über Duale Karriere bis hin zu Mental Health und Safe Sport. Gleichzeitig sind wir das Bindeglied zwischen Athleten, Verbänden und dem DOSB-Präsidium und sorgen dafür, dass die Stimme der Athleten gehört und ernst genommen wird.
Wie sehen deine Aufgaben im Gremium aus?
Jello Krahmer: Da wir erst vor kurzem ins Amt gekommen sind, werden sich diese im Lauf der vier Jahre erst noch ergeben. Ich übernehme aber in jedem Fall einen Arbeitskreis zum Thema Duale Karriere, das mir auch aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen ein Anliegen ist. Früher habe ich an einer klassischen Präsenzhochschule studiert. Inzwischen bin ich Teil der Sportfördergruppe der Bundeswehr und strebe nun ein berufsbegleitendes Fernstudium auf Masterniveau an. Durch die vielfältigen Kontakte, die ich in den letzten Jahren sowohl im Leistungssport als auch im beruflichen Umfeld knüpfen konnte, erfahre ich dabei große Unterstützung.
Was möchtest du in diesem Bereich konkret für andere Sportler erreichen?
Jello Krahmer: Viele Sportler haben im Dialog mit ihren Laufbahnberatern individuelle Sonderlösungen für ihre duale Karriere gefunden, die aber nirgends groß verzeichnet sind. Ein Ziel wäre es, Sportlern, die künftig vor denselben Problemen stehen, möglichst viele Wege aufzuzeigen, die andere schon vor ihnen gegangen sind. Das wäre auch für mich damals hilfreich gewesen.
Jello Krahmer beim Bundesliga-Kampf im Trikot des Deutschen Mannschaftsmeisters ASV Schorndorf. Fotos: Günter Schmid