Randsportradar von BeyondSports Podcast: Tipp-Kick
Ein Schuss, ein Tor – oder doch nur haarscharf vorbei? Im Tipp-Kick entscheiden Millimeter über Sieg oder Niederlage! Vielen noch aus der Kindheit als Gesellschaftsspiel bekannt, ist Tipp-Kick weit mehr als ein Zeitvertreib auf dem Wohnzimmertisch. Seit über 100 Jahren begeistert die Sportart ihre Anhänger und hat sich zu einer echten Szene mit Vereinen und einer eigenen Bundesliga entwickelt. In unserer Rubrik “Randsportradar” präsentieren Dani und Olli vom Podcast BEYOND SPORTS diese spannende Sportart für Jung und Alt. Sie sprachen mit Benjamin Buza, einem der besten Spieler Deutschlands vom TKC 71 Hirschlanden – einem Verein, der im Tipp-Kick etwa so dominiert wie der FC Bayern im Fußball. Benjamin klärt darüber auf, was den Reiz dieses Sports ausmacht, welche Tricks und Techniken auf höchstem Niveau den Unterschied machen und wie professionell Tipp-Kick eigentlich in Deutschland organisiert ist.

Autor:Lara Auchter
„Tipp-Kick ist relativ simpel erklärt, der eckige Ball muss ins Tor“, beginnt Benjamin Buza im Podcast. Das Spiel wird nicht nach Toren, sondern auf Zeit gespielt – zweimal fünf Minuten. Wer dann die meisten Treffer erzielt hat, gewinnt. Der Ball ist zweifarbig, mit einer weißen und einer schwarzen Hälfte, was den Spielablauf entscheidend beeinflusst. „Liegt die weiße Seite oben, bin ich am Zug. Zeigt die schwarze Seite nach oben, muss ich mein Tor verteidigen. Dieses Prinzip macht jeden Ballwechsel spannend, denn Angriffs- und Verteidigungsaktionen wechseln blitzschnell. So kommt es auch oft vor, dass ich meinen Gegner anschieße, während er noch versucht die Spielfigur zu verschieben“, fügt Benjamin hinzu. In solchen Situationen entscheidet der Schiedsrichter entweder auf Freistoß oder Elfmeter. Bei den Profis werden Elfmeter allerdings kaum genutzt. Stattdessen wird der Schuss meist einfach wiederholt – ein ungeschriebenes Gesetz, das den Spielfluss hochhält.
Aber was ist Tipp-Kick jetzt eigentlich genau? Es ist ein Miniatur-Fußball-Simulations-Tischspiel für zwei Personen. Das Spielfeld besteht aus einer Spielfläche, zwei Toren, zwei Torhütern und zwei beliebig positionierbaren Feldspielern sowie einem zweifarbigen Ball. Im Gegensatz zum Kicker-Tischfußball mit Spielfiguren an festen Stangen werden die Spielfiguren beim Tipp-Kick auf dem Spielfeld bewegt. Durch das Antippen des Knopfes auf der Spielfigur bewegt sich der Fuß und der eckige Ball wird dadurch gekickt.
Seit seiner Erfindung in 1924 zieht das Spiel Menschen in den Bann. Von der Firma Mieg, einem kleinen Familienunternehmen aus dem Schwarzwald, hergestellt, ist die Marke mit dem roten Knopf auf den Spielfiguren und dem ikonischen eckigen Ball bekannt. Für Außenstehende mag es anfangs wie ein Kinderspiel wirken – doch wer einmal ein packendes Duell auf hohem Niveau gesehen hat, versteht schnell, warum Tipp-Kick eine eigene Sportkultur hervorgebracht hat.
„Tipp-Kick vereint Konzentration, Taktik und Reaktionsfähigkeit auf engstem Raum. Man sollte auf jeden Fall eine gute Motorik, viel Geduld und Feingefühl für den Sport mitbringen“, erläutert der Spieler des TKC 71 Hirschlanden und fügt hinzu, dass vor allem die Ausdauer den Unterschied zwischen Freizeit- und Profispieler macht, denn es dürfe nicht unterschätzt werden, wie viel in den zehn Minuten tatsächlich um den Tisch herumgelaufen wird. Das ist für ihn auch der Grund, wieso Tipp-Kick als richtiger Sport angesehen werden kann: „Ich denke mal, dass viele einfach nur im Kopf haben, dass hier das Feld auf den Tisch gestellt wird und dann hocken wir uns da schön hin und zocken eine kleine Runde. Das funktioniert halt auf der Profiebene, auf der wir uns bewegen, überhaupt nicht. Diese zehn Minuten Konzentration, die man da aufbringt, darf man wirklich nicht unterschätzen. Wir Tippkicker bewegen uns eigentlich die ganze Zeit, wir rennen um die Platte und kommen richtig ins Schwitzen.“
Fotos: Benjamin Buza
Die Tipp-Kick Spieler des TKC 71 Hirschlanden im Einsatz.
Für Benjamin Buza, der aus gesundheitlichen Gründen mit dem klassischen Fußball aufhören musste, hat Tipp-Kick einen ganz besonderen Stellenwert: „Weil es für mich der Ersatz zum Fußball ist, verbinde ich ganz andere Emotionen damit. Ich finde es immer noch faszinierend, dass ich mit den Jüngeren mithalten kann. Gleichzeitig ist Tipp-Kick ein Sport, den man auch im höheren Alter noch erlernen kann. Man ist Spieler, Torwart und Coach zugleich und genau das macht für mich die Faszination aus.“
Die Tipp-Kick-Bundesliga gibt es bereits seit 1973. Sie ist die höchste deutsche Spielklasse und wird vom Deutschen Tipp-Kick-Verband (DTKV) organisiert. Gespielt wird in Mannschaften, meist vier gegen vier, die während einer Saison gegeneinander antreten. Für Benjamin liegt der Reiz aber nicht nur im sportlichen Wettbewerb: „Da sind einfach richtig gute Jungs dabei, und über die Jahre hat sich eine tolle Community gebildet. Oft fährt man auch hin, um die Leute aus ganz Deutschland wiederzusehen. Aber natürlich gibt es auch packende Duelle mit richtig viel Nervenkitzel.“ Der TKC 71 Hirschlanden zählt dabei zu den erfolgreichsten Vereinen im deutschen Tipp-Kick. Seit den 1990er-Jahren spielt der Club in der Bundesliga und hat sich dort als feste Größe etabliert. Seine beeindruckende Bilanz umfasst mehrere Deutsche Mannschaftsmeistertitel, darunter ein bemerkenswerter Hattrick in den Jahren 2022 bis 2024.
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