Stuttart Rebels: Mit Optimismus ins zweite Oberliga-Jahr

Das Team der Stuttgart Rebels weiß den fantastischen Support durch seine Fans zu schätzen. Fotos: Stuttgarter Eishockey-Club e.V. / Mario Vrban

48 Spiele, 43 Niederlagen, nur zwei Siege nach regulärer Spielzeit, ein Torverhältnis von 127:290, eine Serie von 23 Niederlagen in Folge von Dezember bis Februar, Tabellenletzter mit 32 Punkten Rückstand auf den Vorletzten… Nein, die Bilanz des Eishockeyteams der Stuttgart Rebels liest sich nicht wirklich gut. Und doch ist es unfair, diese nackten Zahlen einfach so in den Raum zu stellen. Denn auch wenn der erste Blick anderes auszusagen scheint, haben die Rebels im Jahr ihrer Premiere in der dritthöchsten deutschen Eishockey-Klasse, der Oberliga Süd, doch so einiges erreicht. Um diese positiven Entwicklungsschritte herauszuarbeiten, haben wir uns mit Jannis Ersel (Geschäftsführer Stuttgart Rebels), Philipp Kordowich (Finanzvorstand Stuttgarter Eishockey-Club) und Rebels-Spieler Jannik Herm getroffen und festgestellt: Das schwierige Lehrjahr hat dem Optimismus keinen Abbruch getan, mit dem die Verantwortlichen bereits an den Vorbereitungen auf die zweite Oberliga-Saison arbeiten.

Autor:Ralf Scherlinzky

25. März 2024

„Klar schnauft man erstmal durch, wenn die Saison vorüber ist und man nicht mehr jede Woche zwei, drei Spiele hat“, sagt Jannis Ersel. „Aber die Planung der nächsten Saison kann nicht bis Mai, Juni warten. Deshalb ist nach der Saison auch schon wieder vor der Saison.“

Inklusive der Vorbereitung hatten die Rebels in der Saison 2023/24 54 Spiele, davon 26 Heimspiele. Im Vorjahr waren es in der Regionalliga Südwest inklusive der Playoffs dagegen nur 29 Spiele. „Im Vergleich haben wir quasi zwei Spielzeiten in einer abgehandelt“, schmunzelt der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH.

Lange hatten die Verantwortlichen des Stammvereins Stuttgarter Eishockey-Club im letzten Frühjahr abgewogen, ob sie die sich bietende Chance des Aufstiegs am vielzitierten „Grünen Tisch“ wahrnehmen und das finanzielle und sportliche Risiko eingehen sollen oder nicht. Obwohl sie das Regionalliga-Finale gegen die Zweibrücken Hornets in fünf Spielen verloren hatten und ein weiteres Jahr in der zunehmend weniger attraktiven Liga hätten verbleiben müssen, bot der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) den Landeshauptstädtern den Aufstieg an, ohne dass sie sich sportlich qualifizieren mussten. Der Grund: Der Oberliga Süd drohten die Vereine auszugehen.

Finanzvorstand Philipp Kordowich

„Obwohl uns bewusst war, dass wir eine solche Chance vermutlich nicht nochmal bekommen würden, waren wir skeptisch, ob sowohl wir in der Vereinsführung, als auch die Mannschaft und das Umfeld den Sprung in das professionelle Eishockey stemmen könnten“, gibt Philipp Kordowich zu. Der Finanzvorstand des SEC berichtet aber auch davon, dass von Seiten der Fans der Wunsch nach Oberliga-Eishockey an den Verein herangetragen wurde. „Wir haben uns ausführlich mit den Fans unterhalten, die uns signalisiert haben, dass sie mit uns durch Dick und Dünn gehen würden, wenn wir den Schritt gehen.“

Was letztendlich den Ausschlag für die Entscheidung pro Oberliga gab, war die Zusage der anderen Vereine, dass der Abstieg für ein Jahr ausgesetzt wird und die Rebels auch als Tabellenletzter in der Liga verbleiben können. „Uns war klar, dass wir eine solche, auf zwei Jahre ausgelegte Option nicht nochmal bekommen würden. Wir mussten den Verbleib in der Oberliga nicht mit Geld absichern, das wir gerade in der ersten Saison nicht haben“, so Philipp Kordowich.

Am 15. Juni 2023 ließ der Stuttgarter EC deshalb verlauten, dass man für die Rebels die Oberliga-Lizenz beantragt habe. Am 25. Juli schließlich gab der DEB grünes Licht, dass sich die Landeshauptstadt nach 17 Jahren Profieishockey-Abstinenz auf die dritthöchste Liga freuen darf. Während die Liga-Konkurrenz ihre Saisonplanungen zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend abgeschlossen hatte, musste man bei den Rebels bis zum ersten Vorbereitungsspiel am 27. August nicht nur weitere Sponsoren akquirieren, sondern auch eine halbwegs oberligataugliche Mannschaft zusammenstellen.

„Als wir vor dem ersten Training in der Kabine saßen und uns umgesehen haben, war klar: das wird eine verdammt schwierige Saison werden“, erinnert sich Jannik Herm. Der 32-jährige Stürmer, der auf die Erfahrung von 295 Oberliga- und 411 Zweitligaspielen zurückgreifen kann und im Jahr zuvor in der Regionalliga bester Stuttgarter Scorer gewesen war, berichtet von vielen jungen, erwartungsvollen Gesichtern. „Das Gros der Spieler war zwischen 19 und 22 Jahre alt und hatte noch keine Erfahrungen im Profieishockey gemacht.“

Das Worst Case Szenario, gibt Philipp Kordowich zu, sei deshalb auch gewesen, dass man jedes zweite Spiel zweistellig verlieren könnte. Doch das junge Team zog sich achtbar aus der Affäre. Die Höhe der Niederlagen hielt sich in Grenzen, und im siebten Spiel feierte man den ersten Sieg – ein 5:4 nach Penaltyschießen gegen Passau.

„Uns kam zugute, dass uns die Gegner am Anfang nicht einschätzen konnten und unsere Schwächen noch nicht kannten“, weiß Jannik Herm, der zwei Treffer zum Sieg gegen Passau beigesteuert hatte. „Das hat sich mit der Zeit geändert, zumal wir dann einige Verletzte hatten und teilweise auch unsere Förderlizenzspieler aus Frankfurt und Freiburg nicht kommen konnten.“

Die bitterste Phase mussten die Rebels dann vom 3. Dezember bis 17. Februar überstehen. Nach einem Overtime-Sieg in Lindau ging das Team 23 mal in Folge als Verlierer vom Eis, ehe man sich im viertletzten Saisonspiel über einen 8:4-Sieg bei den finanziell angeschlagenen Bayreuth Tigers freuen durfte.

„Das war schon eine sehr deprimierende Phase“, gesteht Jannik Herm. „Du kämpfst immer bis zum Ende, führst teilweise nach dem zweiten Drittel mit zwei, drei Toren und verlierst dann doch wieder. Wir haben uns aber nie aufgegeben, haben nach dem Spiel schon wieder den Fokus auf das nächste gelegt – immer in der Hoffnung, dass wir irgendwie das nächste Spiel gewinnen. Und als es dann in Bayreuth geklappt hat, war das wie eine Erlösung.“

Ein entscheidender Faktor, dass sich das Team nie aufgab, so Jannik Herm weiter, seien die Fans gewesen. „Der Support von der Tribüne war sensationell. Da bist du als Spieler nicht mal auf die Idee gekommen zu resignieren, denn sie waren immer da und haben uns selbst bei hohen Auswärtsniederlagen bis zum Schluss supportet.“

Besonders die eigentlich bittere 1:11-Niederlage beim Lokalrivalen Heilbronner Falken im letzten Saisonspiel bleibt dabei positiv in Erinnerung. Nach Spielschluss feierten rund 200 mitgereiste Fans ihr Team, als hätte es soeben die Playoffs erreicht. „Die Fans haben in sensationeller Weise Wort gehalten“, sagt auch Philipp Kordowich stolz. „Sie haben nicht nur die Spieler, sondern auch uns durch die Saison getragen. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Wir gewinnen zuhause kein einziges Spiel nach der regulären Spielzeit, und trotzdem kommen im Schnitt fast 800 Leute und supporten uns auf diese Weise.“

Der Stuttgarter Top-Torschütze Jannik Herm hatte in dieser Saison gleich 26 mal Grund zum Jubeln.

Rebels-Geschäftsführer Jannis Ersel

Eines ist den Rebels-Verantwortlichen aber auch klar: Bei dem hohen Kredit, den ihnen ihre Fans in der abgelaufenen Saison gewährt haben, ist es 2024/25 an der Zeit abzuliefern und mehr als nur fünf Siege einzufahren.

„Daran arbeiten wir mit unserem sportlichen Leiter Jakob Vostarek mit Hochdruck“, verrät Jannis Ersel. „Wir werden unseren Etat mindestens verdoppeln und eine schlagkräftige Mannschaft aufs Eis schicken. Ein paar Schlüsselpositionen sind bereits besetzt, wir können nur noch keine Namen nennen. Unser Ziel wird aber sein, die Pre-Playoffs zu erreichen. Dafür müssen wir auf den Plätzen sieben bis zehn landen.“

Einer der Eckpfeiler wird auch in der kommenden Saison Matthew Pistilli heißen. Der kanadische Topscorer wurde zwar zum Ende der Wechselfrist an das Playoff-Team des Deggendorfer SC abgegeben, doch sicherte man sich in diesem Zuge bereits die Unterschrift des 35-jährigen Wahl-Stuttgarters für die kommende Saison. Auch Jannik Herm wird dem Team treu bleiben.

Für die Rebels-Führung um Jannis Ersel und Philipp Kordowich steht derweil der Ausbau des Sponsorenpools im Vordergrund. Dass dies kein einfaches Unterfangen sein wird, ist beiden klar. „Wir konkurrieren dabei in Stuttgart mit Bundesligisten aus anderen Sportarten. Da haben es Liga-Konkurrenten wie Peiting oder Lindau einfacher, denn dort gibt es außer Eishockey nicht viel. Dennoch brauchen wir uns hinter den Bundesligisten in Sachen Attraktivität für Sponsoren nicht zu verstecken“, sagt Jannis Ersel selbstbewusst.

Auch bei den Zuschauerzahlen sehen die Verantwortlichen noch Luft nach oben. Philipp Kordowich: „Wenn schon bei Niederlagen so viele Fans in der Halle sind, wieviele werden es dann erst sein, wenn wir wieder regelmäßig Spiele gewinnen?“

Wir sind gespannt auf die Antwort der Zuschauer.