World Games 2025 in Chengdu: Gold für Rettungsschwimmerin Julia Hennig
Rettungschwimmerin Julia Hennig von der DLRG Bietigheim-Bissingen hat bei den World Games 2025 in Chengdu (China) einen historischen Erfolg für die Ortsgruppe gefeiert. Gemeinsam mit dem deutschen Team gewann die 27-Jährige in der 4×50 Meter Lifesaver Relay Staffel die Goldmedaille – und stellte sogar einen neuen Weltrekord auf. Für uns natürlich ein Grund, um mit der im mittelfränkischen Roßtal aufgewachsenen Rechtsanwältin über ihre Erlebnisse und Erfahrungen bei den World Games zu sprechen.

Autor:Lara Auchter
Julia Hennig (2. von links) mit ihren Teamkolleginnen nach dem Sieg in der 4x50m Lifesaver Relay Staffel. Fotos: Team Deutschland
Julia, du warst bei den World Games in Chengdu erfolgreich. Wie hast du die Spiele erlebt?
Julia Hennig: Es war alles so viel größer als sonst. Die World Games sind das Größte was man in unserem Sport erreichen kann, und deshalb war es natürlich schon überwältigend – das Athletendorf, die Atmosphäre, die Eröffnungsfeier, die ganzen internationalen Athleten und natürlich die Medienpräsenz. Das kann man nicht mit einem normalen Wettkampf oder auch einer EM vergleichen.
Wie war die Medien-Situation vor Ort?
Julia Hennig: Sehr intensiv. Es gab natürlich viele chinesische Medien, aber auch nationale Teams. Da Team Deutschland ja ziemlich erfolgreich war und viele Medaillen geholt hat, wurden die World Games auch zuhause mit Interesse verfolgt. Nach dem Rennen wurden wir auch sofort in die Mixed Zone geholt: Mikrofone, Kameras, Reporter, so viele Fragen – das war ungewohnt, aber auch irgendwie schön.
Wie hast du den Wettkampf sportlich erlebt?
Julia Hennig: Ich war unfassbar nervös, aber nicht weil ich an meiner Leistung gezweifelt habe, sondern wegen der Wechsel in der Staffel. Es geht nicht nur darum, schnell zu schwimmen, sondern auch die Wechsel exakt zu timen – das ist natürlich auf so großer Bühne nochmal schwieriger. Wir hatten vor Ort nur drei Einheiten, um die Wechsel zu perfektionieren und uns an das Becken zu gewöhnen. Deshalb war die Nervosität im Team größer als sonst.
Es lief aber alles perfekt und ihr habt mit einer Weltrekordzeit die Goldmedaille geholt …
Julia Hennig: Ja, das war unglaublich! Am Wettkampftag ging alles Schlag auf Schlag – das Einlaufen, die Kameras, das Publikum. Das ist eine komplett andere Welt und man hatte wirklich das Gefühl, dass das, was hier passiert, etwas Besonderes ist. Doch als es los ging, war man wirklich wie im Tunnel. Erst als ich fertig war und die Rettungspuppe losgelassen hatte, habe ich unseren Vorsprung wahrgenommen. Wir wussten, dass es schwer werden würde, Gold zu gewinnen. Dass wir es geschafft und am Ende sogar den Weltrekord pulverisiert haben, war unglaublich.
Hattest du viel Kontakt zu Athleten von anderen Sportarten? Kam dieses berühmte olympische Feeling auch bei den World Games auf?
Julia Hennig: Also ich hatte schon das Gefühl, ja. Bei unseren Wettkämpfen war die Halle sehr gut gefüllt und die Sportler und Zuschauer haben sehr gute Stimmung gemacht – das ist beim Rettungsschwimmen eher ungewohnt. Man war aber tatsächlich weitestgehend mit der eigenen Sportart und der eigenen Nation zusammen. Aber in der Mensa hat man natürlich Athleten aus allen Sportarten und Ländern gesehen. Auch habe ich sehr viele Pins gesammelt und getauscht, ob mit anderen Athleten oder freiwilligen Helfern, das war sehr schön.
Wie war nach eurem Erfolg die mediale Nachwirkung zuhause?
Julia Hennig: Ich hatte noch zu keinem Wettbewerb so viele persönliche Nachrichten im Nachgang erhalten. Die kamen vor allem von Freunden und Familie, aber auch meine Kollegen haben das Rennen verfolgt und mir gratuliert. Am Arbeitsplatz war alles dekoriert und die lokalen Zeitungen haben berichtet. Aber die große Medienpräsenz wie in China gab es natürlich nicht – ehrlich gesagt wissen viele Leute hier gar nicht, was die World Games sind. Trotzdem war es für unsere Sportart eine tolle Bühne.
Du arbeitest Vollzeit als Rechtsanwältin. Planst du in naher Zukunft weiter dem Rettungsschwimmen auf diesem Level treu zu bleiben?
Julia Hennig: Ich bin 27 Jahre alt und voll im Berufsleben. Meine Motivation für vier weitere Jahre Nationalmannschaft und intensives Training ist ehrlich gesagt gerade nicht so groß (lacht). Ich werde weiterhin mit meinem Team schwimmen und einzelne Wettkämpfe bestreiten, aber nicht mehr mit dem Ziel, konstant in der Nationalmannschaft zu sein.
Julia Hennig bei den World Games am Beckenrand – ungläubig nach dem geschwommenen Weltrekord…