Bietigheim Steelers: Direkter Wiederaufstieg

Die Bietigheim Steelers haben ein paar wilde Jahre mit allen Höhen und Tiefen hinter sich. Nach dem Aufstieg in die höchste deutsche Eishockey-Liga DEL im Jahr 2021 folgte nach zwei Spielzeiten im Oberhaus der Abstieg in die DEL2.

Doch damit nicht genug, denn die Steelers stürzten so richtig ab, wurden 2024 in die drittklassige Oberliga Süd durchgereicht. Dort folgte in der Saison 2024/25 nun nicht nur die Rehabilitation, sondern gleich der direkte Wiederaufstieg in die DEL2 – in einer dramatischen, über sieben Spiele andauernden Finalserie gegen die Hannover Scorpions. 2:3 nach Verlängerung, 6:2, 3:4 n.V., 3:1, 3:4 n.V., 4:3 n.V. und 2:1 – mehr Spannung ging nicht, ehe man am Ende über den Aufstieg jubeln durfte.

Wir haben die Achterbahnfahrt des letzten Jahres für die SPORT.S-Leser im Gespräch mit Steelers-Geschäftsführer Gregor Rustige nochmal Revue passieren lassen.

Autor:Lara Auchter

30. Juni 2025

Stimmungsbilder einer emotionalen Finalserie gegen die Hannover Scorpions. Fotos: Timo Raiser / Bietigheim Steelers

Gregor, Glückwunsch zum direkten Wiederaufstieg in die DEL2! Ist die Freude inzwischen richtig angekommen?

Gregor Rustige: Dankeschön! Ich glaube, das braucht noch ein bisschen. Man ist so im Tunnel drin – alle zwei, drei Tage ein Spiel, dann geht es direkt weiter mit der Lizenzierung. Ich habe das alles ehrlich gesagt erst im Nachhinein richtig realisiert. In der Serie selbst kriegt man gar nicht so mit, wie knapp das alles war. Erst drei Mal in Overtime verloren, dann Spiel sechs in Bietigheim in Overtime gewonnen und in Spiel sieben auswärts mit dem 2:1 in Hannover den Aufstieg geschafft – das war alles der Wahnsinn und pure Werbung für unseren Sport.

Wie schwierig waren die letzten Monate aus organisatorischer Sicht?

Gregor Rustige: Brutal anstrengend. Vor allem wegen der langen Playoffs – da war kaum Zeit, die Unterlagen für die Lizenzierung zusammenzustellen, was aber extrem aufwändig ist. In 24 Tagen haben wir gefühlt alles erledigt, was sonst über Monate verteilt passiert. Für die Lizenzierung muss alles belegt sein: Keine offenen Posten bei Krankenkassen, beim Finanzamt, bei der Berufsgenossenschaft. Kontoauszüge, Haushaltsplan für die neue Saison, Jahresabschluss der alten. Dazu kommen Vorgaben der Liga – etwa, dass 60 Prozent der angegebenen Sponsoreneinnahmen durch unterschriebene Verträge belegt sein müssen. Das muss alles sauber sein, sonst geht nichts.

Und dabei weiß man zum Zeitpunkt der Planung noch gar nicht genau, wie viel man wirklich braucht, oder?

Gregor Rustige: Ganz genau. Du rechnest auf Basis der Erfahrung aus den Vorjahren. Was kostet ein Team in der DEL2 mehr als in der Oberliga? Wo bleiben die Kosten gleich? Wo steigen sie? Und dann kalkulierst du – Zuschauerzahlen, Sponsoren, alles. Aber ob das am Ende so hinkommt, weißt du natürlich erst am Ende der Saison.

Gibt es eine Zahl, mit der man rechnen kann? Einen Richtwert für den Etat?

Gregor Rustige: Von der DEL2 bekamen wir die Information, das der Durchschnittsetat in der Liga vergangene Saison bei 4,4 Millionen Euro lag. Zum Vergleich: Unser Etat vor dem DEL-Aufstieg lag bei 3,1 bis 3,2 Millionen. In der DEL hatten wir 4,5 bis 4,8 Millionen. Und jetzt ist allein die DEL2 schon bei 4,4 – das zeigt, wie sich alles entwickelt hat. Die anderen haben aufgeholt und wir müssen jetzt schauen, dass wir überhaupt wieder mithalten können.

Wie schafft man das in einer im Vergleich zu den großen Metropolen kleinen Stadt wie Bietigheim-Bissingen?

Gregor Rustige: Es wird sportlich, keine Frage. Aber momentan hilft uns die Euphorie. In der Finalserie waren die Heimspiele in nur drei Minuten ausverkauft – das habe ich in meinen Jahren bei den Steelers noch nie erlebt. Wir haben in den ersten acht Tagen schon 872 Dauerkarten für die neue Saison verkauft. Letztes Jahr waren es in der gesamten Saison 808. Das zeigt, wie sehr die Leute mitfiebern und uns sehen wollen.

Ist der Aufstieg allein dafür verantwortlich – oder auch die Rückkehr zu mehr Spannung?

Gregor Rustige: Ich glaube beides. In der Oberliga kam oft das Feedback: Gegen Passau oder Peiting zu gewinnen – das ist langweilig. Jetzt freuen sich die Leute auf mehr Spannung. Und natürlich: Wenn man gut spielt und authentisch auftritt, wächst das Interesse. Das haben wir versucht – und das hat sich ausgezahlt.

Nach dem Finalsieg kam die Meisterfeier inklusive Rathausbalkon. Wie war das?

Gregor Rustige: Gigantisch. Wir hatten ein Bombenwetter, riesige Unterstützung von der Stadt, einen Autokorso und 3.000 Leute vor der Arena. Wir durften uns auch wieder ins Goldene Buch der Stadt eintragen, das ist immer eine Ehre. Die Feier auf dem Rathausbalkon war definitiv auch ein echtes Highlight.

Wie war die Entwicklung im Sponsoring in dieser Saison?

Gregor Rustige: Sehr positiv. Die Sponsoren haben gemerkt: Hier passiert etwas. Die ersten Spieler-Verpflichtungen kamen gut an, wir hatten starke Veranstaltungen mit der Mannschaft. Auch unsere neue, verbesserte Kommunikation wurde positiv aufgenommen. Wir haben Social Media ausgebaut: 5,4 Millionen Aufrufe auf Instagram in den Playoffs – das ist für uns ein Riesenwert. Und neue Kanäle wie TikTok und LinkedIn helfen uns zusätzlich.

Trotzdem: Der Weg zu einem Etat von dreieinhalb, vier Millionen scheint weit…

Gregor Rustige: Natürlich, das ist eine große Lücke, die wir schließen müssen – und das schaffen wir nicht über Ticketing allein. Sponsoren sind der Schlüssel. Wenn hier jeder ein bisschen drauflegt – 5.000 Euro hier, 10 Prozent da – dann kann man gemeinsam viel bewegen. Wir spüren da unglaublich viel Unterstützung.

Wann hat sich die Stimmung eigentlich gewandelt – vom Frust der Abstiege zur neuen Euphorie?

Gregor Rustige: Ich glaube, das war ein Prozess. Viele langjährige Fans haben uns die Treue gehalten – vielleicht erstmal abwartend, aber sie sind geblieben. Und sie haben gesehen: Wir haben wirklich alles umgebaut. Neue Geschäftsstelle, neue Leute, neuer Aufsichtsrat. Und wir haben auch unsere Ansprache geändert – offener, transparenter, näher an den Fans. Das kam gut an.

Was ist dir dabei besonders wichtig?

Gregor Rustige: Ehrlichkeit. Ich versuche, auf jede Rückmeldung einzugehen – auch wenn sie mal unangenehm ist. Klar, man kann es nicht allen recht machen. Zehn Leute, zehn Meinungen – das ist bei Trikotdesigns nicht anders. Aber man muss einen breiten Konsens finden, sagen wir: 80 Prozent. Und ich glaube, das ist uns gut gelungen.

Was ist sportlich das Ziel in der kommenden DEL2-Saison?

Gregor Rustige: Realistisch bleiben. Hauptsache nicht Letzter werden und möglichst früh weg sein vom Abstiegskampf. Irgendwo um Platz neun bis elf mitspielen – das wäre gut. Hauptsache keine Zitterpartie. Letztes Mal hatten wir uns übernommen, sind direkt in die DEL hoch und danach total abgestürzt. Das wollen wir vermeiden. Wir müssen uns erstmal wieder in der DEL2 etablieren und stabilisieren, dann können wir weiter planen.