Sara-Joy Bauer: Drei Monate Judo-Training in Japan
Sara-Joy Bauer ist eines der größten Judo-Talente im Land und seit 2025 Mitglied im JUDO TOP-TEAM BAWÜ. Die Backnangerin wurde 2024 Junioren-Europameisterin und holte 2025 die Silbermedaille. Schon 2022 gewann sie die Deutsche Junioren-Meisterschaft.
Ihr Titelgewinn bei der Junioren-EM 2024 in der Gewichtsklasse -63 kg katapultierte die 20-Jährige auch in das Team der Olympia-Stipendiatinnen und -Stipendiaten der SportRegion Stuttgart. 2025 hat sie ihr Abitur an der Cotta-Schule in Stuttgart abgeschlossen. Ihr großes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles (USA).
Um sich optimal auf dieses Ziel vorzubereiten, hat sich Sara-Joy Bauer Anfang November auf den Weg nach Japan gemacht, wo sie in Kyoto drei Monate lang intensiv trainiert und dabei zahlreiche neue Erfahrungen macht.
Für die Leserinnen und Leser berichtet sie in diesem Gastbeitrag exklusiv von ihren Erlebnissen in Japan:
Foto: Sara-Joy Bauer sendet Grüße von der Ryukoku Universität in Kyoto.

Autor:Lara Auchter
Sara-Joy Bauer vor dem Tempel in Uji, der auch auf der 10 Yen Münze abgebildet ist. Fotos: privat
Wenn man an Japan denkt, kommen einem oft Bilder von Tempeln, Teehäusern und belebten Straßen in den Sinn. Für mich aber stand von Anfang an fest: Mein Japan sollte vor allem eines sein – eine Reise, bei der ich mich in dem Ursprungsland meines Sports Judo viel weiterentwickeln würde.
Seit Anfang November trainiere ich jetzt schon an der Ryukoku Universität in Kyoto, bei der ich schon letztes Jahr zwei Wochen mit dem Nationalteam trainiert habe. Insgesamt soll mein Trip drei Monate lang gehen und schon jetzt kann ich sagen: von der Intensität und der Struktur in dem Training der Japaner kann ich noch viel lernen.
Noch bevor das eigentliche Training begann, war spürbar, welche Disziplin hier herrscht. Während man in Deutschland oft versucht, Trainingseinheiten vor allem beim Aufwärmen vielfältig zu gestalten, ist das Training in Kyoto fast schon rituell. Es beginnt immer mit dem gleichen gemeinsamen Aufwärmen. Erst danach wird mit dem Trainer zusammen angegrüßt, und das eigentliche Training beginnt.
Das Niveau ist unfassbar hoch. Techniktraining findet hier an Universitäten selten statt, dafür werden fünf mal die Woche Randoris trainiert, dabei ist die Anzahl der Kämpfe im Boden sowie im Stand höher als in Deutschland, und dazu sind die Runden noch anstrengender. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass Judo in Japan nicht nur Sport ist. Es ist ein Teil des Alltags. Die anderen Athleten essen und schlafen auf der Matte und lernen dort sogar.
Natürlich besteht mein Japan-Aufenthalt nicht nur aus Training. Kyoto, und damit eine so neue Kultur, zu erkunden, macht richtig Spaß. Besonders beeindruckt hat mich, wie ruhig und respektvoll vieles hier abläuft – selbst in überfüllten Zügen oder an touristischen Orten bleibt die Atmosphäre erstaunlich gelassen. Dabei sind die pünktlichen Züge natürlich auch eines meiner Highlights;).
Wenn ich eines mitnehme, dann ist es die Erkenntnis, dass eine Sportart in einem anderen Land zu trainieren auch sehr lebenserfüllend und nicht nur anstrengend sein kann. Es ist eine Erfahrung, die ich jedem wünschen würde – und ich bin dankbar, sie selbst machen zu dürfen.
Eure Sara-Joy