Rares Cojoc / Andrea Matei erstmals auf dem GOC-Thron und Latein-Gold für die „Kinder der German Open“
Die Vize-Europameister aus Rumänien nutzen im Grand-Slam Standard ihre Chance / Medaillensatz und acht Finalplätze für den DTV
Am vierten Tag der 37. German Open Championships in Stuttgart gewannen die Rumänen Rares Cojoc / Andrea Matei ihren ersten Titel im Grand Slam Standard. Der Deutsche Tanzsportverband (DTV) verbesserte im Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle (KKL) seine Bilanz um je einmal Gold, Silber und Bronze. Achtmal gab es am Freitag zudem Finalplätze für deutsche Paare. Beim in die GOC integrierten World Cup im Boogie-Woogie dominierten die Paare aus Skandinavien.
Die Grand Slam-Turniere sind immer ein Höhepunkt der German Open, geht doch die komplette internationale Elite an den Start. Im Standard-Wettbewerb fehlten von den zwanzig Besten der Weltrangliste nur zwei Paare. Doch weil der Titel nach dem Wechsel der Seriensieger Alexej Glukhov/Glazunova zu den Profis vakant war – sie gewannen in Stuttgart den Super Grand Prix – und einige der Vorjahresfinalisten fehlten, blieb der Ausgang offen.
Aber dann nutzten die Rumänen Rares Cojoc/Andrea Matei nach zwei zweiten Plätzen in den Jahren 2023 und 2024 im dritten Anlauf ihre Chance und bestiegen den GOC-Thron. Die aktuellen Vize-Europameister und Silbermedaillengewinner der World Games setzten sich in allen fünf Tänzen gegen die EM- und World-Games-Dritten Dariusz Mycka/Madara Freiberga (Polen) durch. Die Bronzemedaille sicherten sich die EM-Vierten Dmitri Kolobov/Signe Busk (Dänemark) vor den WM-Vierten Shaoyang Yuan/Chongxuan Qi (China) und den EM- sowie World-Games-Fünften Georg Kalashnikov/Daria Grigore (Rumänien,). Nach ihrem vierten Rang beim Grand Slam im chinesischen Wuxi erfüllten die deutschen Vizemeister Yahor Boldysh/Irina Averina (TSC Excelsior Dresden) alle in sie gesetzten Erwartungen, auf dem Parkett des restlos ausverkauften Stuttgarter Beethovensaales wurden sie Sechste.
Ein Junioren-II-Paar rettete die deutsche Gold-Bilanz, denn Tizio Tiago Domingues da Silva/Isabell Zagorje (Grün-Gold-Club Bremen) gewannen mit einer makellosen Vorstellung ihren ersten German-Open-Titel. Schon ihr zweites Edelmetall holten Hryhor Petrosian/Daniela Wilhelm (Schwarz-Weiß-Club Pforzheim). Nach Rang zwei in der Kategorie Juveniles II 8 Tänze jubelten sie auch im Standard über Silber.
Im Standard-Wettbewerb der Rising-Star-Senioren I gab es die dritte Medaille für den DTV, Andrey Shevandrin/Dr. Stefanie Müller (TK Orchidee Chemnitz) tanzten zu Bronze. Bei den Latein-Senioren III wurden Thomas Schlehufer/Tatjana Lusin (Die Residenz Münster) Sechste.
80 Paare maßen sich im Latein-Turnier der U 21, erstmals dabei waren Maximilian Bier/Eveline Ishenko (Schwarz-Weiß-Club Pforzheim). Letztes Jahr wurden sie bei Youth Fünfte, nun gaben sie in der neuen Startklasse ebenfalls auf Rang fünf ihren Einstand. Bei den Mädchen sind die Solo-Turniere ein Renner. 66 Tänzerinnen aus 26 Nationen gingen bei den Juveniles II an den Start. Diana Martin (ATC Oranien Elz-Limburg-Bad Camberg) wurde als beste Deutsche im Finale Fünfte.
Eine kleine Überraschung gab es im Boogie-Woogie-World-Cup der Junioren. Beim ersten Weltcup der Saison siegten noch die Europameister und Weltranglistenersten Ida-Loviisa und Aaron Koivunen (Finnland) vor den schwedischen Weltranglistenvierten Astrid Eriksson/Simon Jonsson. Jetzt in Stuttgart war es umgekehrt: Die Finnen mussten sich mit 68:79 Punkten geschlagen geben. Bronze ging an die EM- und Weltranglistendritten Valentina und Leonardo Payot (Schweiz). Über die Hoffnungsrunde erreichten Amelie Dietl/Jakob Penzkofer (RRC Feldkirchen-Straubing) sowie Fiona Meischner/Louis Novak (Boogie Dancer Zwönitz) das Finale, sie belegten dort die Plätze sechs und sieben.
Das Turnier der Boogie-Woogie-Senioren war mit vier nord- und drei südeuropäischen Paaren eine schwedisch-italienische Meisterschaft, die aber mit 4:3 ganz klar an die Skandinavier ging. Gold gewannen – wie schon beim Weltcup zuvor – die Europameister Joanna und Henric Stillman, Silber die EM-Zweiten Sara Holmberg/David Widell, Bronze Katja und Frederik Fridh. Die Weltranglistenersten Lisa Moro/Michael Bonomo auf Rang fünf führten das italienische Trio an. Als Beste des Deutschen Rock’n’Roll- und Boogie-Woogie-Verbandes blieben Angela Lex/Christian Wagner (TSV Trostberg) im Semifinale hängen und belegten den neunten Platz.
Latein-Gold für die „Kinder der German Open“
Charles-Guillaume Schmitt/Anna Salikhova verteidigen bei ihrer 18. GOC den Titel / DTV im Medaillenspiegel wieder auf dem zweiten Platz
Mit umjubeltem Gold für die Franzosen Charles-Guillaume Schmitt/Anna Salikhova im Grand Slam Latein sind die 37. German Open Championships im Kultur- und Kongresszentrum Stuttgarter Liederhalle zu Ende gegangen. Am letzten Tag der GOC gab es für den Deutschen Tanzsportverband viermal Gold, zwei Silber- und eine Bronzemedaille, dazu zwölf Finalplätze. Mit Rang zwei im Medaillenspiegel (9/11/7) stimmt die sportliche Bilanz, aber die Verantwortlichen waren auch mit dem gesamten Verlauf des weltweit größten Tanzsportfestivals zufrieden. DTV-Präsident Tim Rausche sprach sogar vor der „besten GOC seit dem Neustart nach der Pandemie“.
Als letzter Höhepunkt begeisterte der Grand Slam Latein das Publikum im jeden Tag ausverkauften und stimmungsvollen Beethovensaal des KKL. Das spürt Jahr für Jahr auch die Tanz-Elite aus aller Welt, denn von den besten Zwanzig der Latein-Weltrangliste fehlte kein einziges Paar. Allen voran sind die Franzosen Charles-Guillaume Schmitt/Elena Salikhova Kinder der German Open. Mit nur einem Jahr Pause 2011 sind sie seit 2005 am Start, standen in verschiedenen Altersklassen insgesamt sechsmal auf dem Podest, qualifizierten sich zudem siebenmal für ein Finale.
Bei ihrer 18. GOC-Teilnahme verteidigten die Europameister ihren 2024 erstmals gewonnenen Titel unangefochten. Sie gewannen alle fünf Tänze deutlich vor den World-Games-Dritten Bangbang Yan/Yujun Du (China) und den EM-Dritten Malthe Brinch Rhode/Sandra Sorensen (Dänemark). Die EM-Vierten Ionut Alexandru Miculescu/Andra Pacurar (Rumänien,) und die Weltranglistendritten Konstantin Gorodilov/Polina Figurenko (Estland) folgten auf den Plätzen vier und fünf. Es war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass auch Artur Balandin/Anna Salita (TTC Rot-Weiß-Silber Bochum) bei der starken Konkurrenz ins Finale kommen würden. Doch die deutschen Meister und WM-Achten überraschten als Sechste.
Erster GOC-Titel für die Bremer U-21-Paar
Hochdramatisch verlief die Endrunde im Turnier U 21 Standard, denn Dmytrii Forostianov/Helene Novalee Tilgert (Grün-Gold-Club Bremen,) und Batu Sandiraz/Nehir Cam (Türkei) lagen vor dem Quickstep gleichauf. Jedes Paar hatte zwei Tänze gewonnen und war zweimal Zweiter geworden. Den besten Quickstep zeigten dann zwar die letztlich die drittplatzierten Litauer Pijus Palskys/Anna Berzina, doch die Bremer wurden besser gewertet (2.) als die Türken (3.) und jubelten über ihren ersten GOC-Titel.
Markus Heffner/Marina Scharin-Mehlmann (TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg) starteten als Deutsche Meister, Europameister und GOC-Sieger von 2024 bei den Senioren I Latein. In der Alten Reithalle hielten sie die Konkurrenz in Schach, verteidigten ihren Titel vor den EM-Dritten Mate Kovacs/Andrea Zsila und verwiesen die Ungarn, wie vor einem Jahr, auf Rang zwei. Bronze gewannen die EM- und GOC-Finalisten Gerard Perez/Eva Krejcirova (Spanien) vor Georg Rauchhaus/Sonja Stegemann (TSC Aurora Dortmund/4.).
Sogar mit doppeltem Edelmetall und zwei Finalrängen für den DTV endete das Turnier Senioren II Rising Stars Standard. Zu Gold und Silber tanzten Bruno und Monika Bohn (TC Schwarz-Weiß Reutlingen) sowie Dr. Konstantin Maletz/Susanne Scheuböck (TSA des TV Stockdorf). Michael und Larissa Haul (TSA des VfL Geesthacht) wurden Fünfte, Johann und Sabine Edbauer (TSC Alemannia Puchheim) Sechste.
Das erste Gold des abschließenden fünften GOC-Tages gewann am frühen Morgen Kristian Eisenblätter (TSC Casino Dresden) im Solo Standard Youth. In der Lateinsektion belegten Daniel Reich, Yannis Schmitz (beide TSC Metropol Hofheim) und Leonardo Wolf (TSC Excelsior Dresden) die Plätze vier bis sechs. Bei Youth 10 Tänze erreichten Nicolas Valentin Denius/Alisa Volkova (TSZ Diamant Düsseldorf) einen hervorragenden vierten Rang.
Wie beim Latein-Wettbewerb der Junioren I kamen Sebastian Bier/Elisabeth Wilhelm (Schwarz-Weiß-Club Pforzheim) auch in der Standard-Disziplin das Finale – die Neulinge in dieser Startklasse wurden schließlich Sechste. Nach zweimal Silber an den Vortagen blieben Hryhor Petrosian/Daniela Wilhelm (Schwarz-Weiß-Club Pforzheim) bei den Juveniles II Latein diesmal zwar ohne Medaille, doch sie schafften es ins Finale und wurden Fünfte.
Im Zuge der Inklusion ist der Rollstuhltanz schon lange ein fester Bestandteil der GOC. Im traditionellen Standard-Turnier mit einem Fußgänger-Partner wiederholten Stefan Stropko/Maria Dutkowa (Slowakei) nach zwei Runden ihren Sieg von 2024, Andreas Böhm/Bettina Jungkunz (Tanz-Club Rot-Gold-Würzburg) wurden erneut Fünfte. Neu in diesem Jahr war der ebenfalls über zwei Runden gehende Wettbewerb Solo Kombi, bei dem nur „Rollis“ auf dem Parkett sind und eine Mischung aus insgesamt fünf Standard- und Lateintänzen präsentieren. Hinter der Slowakin Helena Kasicka gewann Dr. Pamela Heymans (RSC Frankfurt) Silber, Nicole Wodrich (Rollstuhltanzgruppe Neubrandenburg) holte die Bronzemedaille. Ihre Vereinskollegin Annika Schmalenberg wurde Fünfte.
Schwedische Dominanz in der Main Class Boogie-Woogie
Im Boogie-Woogie World Cup der Main Class trafen sich in der Endrunde vier der sieben EM-Finalisten von 2024 auf dem Parkett des Beethovensaales. Wie im Vorjahr sorgten sie für beste Stimmung im Publikum. Und wie schon bei den Senioren, war die skandinavische, vor allem die schwedische Dominanz übermächtig. Vor einem Jahr feierten Lena Magnusson/Tobias Ramberg in Stuttgart den Europatitel, diesmal bejubelten sie ihren zweiten Weltcup-Erfolg der Saison. Silber ging an Wilma und Viktor Edlund (Schweden), Bronze an die Weltmeister von 2023, Ida Keränen/Juho Paivinen (Finnland). Die schwedische Phalanx in der Siebener-Endrunde wurde nur durch ein Paar aus Frankreich und eines aus Italien unterbrochen. Das beste deutsche Duo, die nationalen Meister, Weltranglisten-Vierten und EM-Achten Theresa Sommerkamp/Elian Preuhs (TSV Hohenbrunn) wurden Achte.
„Beste Veranstaltung im internationalen Terminkalender“ – DTV-Bilanz rundum positiv
Nach fünf Tagen sind die 37. German Open Championships in Stuttgart erfolgreich zu Ende gegangen. Am weltweit größten Tanzsportfestival nahmen diesmal über 7.000 Aktive aller Altersklassen aus 59 Nationen in 62 Turnieren für Professionals und Amateure teil.
„Es waren die besten GOC seit dem Neustart nach der Pandemie“, zog DTV-Präsident Tim Rausche eine rundum positive Bilanz. „Bei gleichbleibenden Meldezahlen und steigenden Einnahmen durch Kartenverkäufe herrscht im Präsidium einhellig die Meinung, dass die Atmosphäre und die Stimmung über die gesamte Veranstaltung seit dem Neustart 2022 nicht mehr so gut gewesen ist.“ Ein wesentlicher Aspekt sei sicherlich, dass die Top-Runden der Abendveranstaltungen nach vielen Jahren erstmals wieder zu Live-Musik durchgeführt wurden. „Das hat die Paare zu Höchstleistungen angespornt. Auch die zahlreichen neuen Gesichter und Stimmen in den verschiedenen Turnierleitungen trugen zur Erfrischung bei.“
DTV-Bilanz: „Mit 27 Medaillen und Platz zwei hochzufrieden!“
Auch aus sportlicher Sicht ist der DTV, der im Medaillenspiegel mit 27 Podestplätzen (9/11/7) Rang zwei hinter Italien (11/5/5) belegt, hochzufrieden. „In allen Altersklassen blieben wichtige Titel in Deutschland. Auch beim vielbeachteten Jugend-Teammatch kam es beinahe zum ersten deutschen Sieg seit langer Zeit“, so Rausche. „Die Veranstaltung ist und bleibt die traditionsreichste und beste des gesamten internationalen Turnierkalenders, trotz oder gar wegen der Generalüberholung, die sich in den folgenden Jahren fortsetzen wird.“ GOC-Geschäftsführer Wilfried Scheible ergänzte: „Mit den Melde- und Zuschauerzahlen, dem Kartenverkauf und dem reibungslosen organisatorischen Ablauf sind wir sehr zufrieden.“ Verbunden mit dem Dank an die Stadt Stuttgart „für die langjährige, stete Unterstützung“ lobte Scheible auch den großen Einsatz der 650 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, „darunter sind 210 Neue“.
„Boogie-Woogie-Paare lieben Stuttgart!“
Seit vielen Jahren findet im Rahmen der German Open immer auch ein großes internationales Boogie-Woogie-Turnier statt, diesmal ein Boogie-Woogie-World Cup. „Die Tänzer lieben Stuttgart. Das sieht man besonders am starken Starterfeld in der Main Class mit 32 und bei den Senioren mit 28 Paaren“, freute sich Katrin Kerber. Die Präsidentin des Deutschen Rock’n’Roll- und Boogie-Woogie-Verbandes (DRBV) weiter: „Unsere Junior Class wächst glücklicherweise wieder, dieses Jahr waren zehn DRBV-Paare am Start. Unsere stärkste Beteiligung gibt es traditionell in der Senior Class, jedoch reichte es hier nicht für ein Finale“, bilanzierte sie die sportliche Ausbeute ihres Verbandes. „Unsere drei neuen Junioren haben sich ganz wacker bei ihrem ersten World Cup geschlagen, die Plätze sechs, sieben und acht können sich sehen lassen.“
Ein großes Medieninteresse vermeldete GOC-Pressesprecherin Petra Dres (Speyer): „Rund 70 Akkreditierte aus 18 Ländern berichteten vor Ort aus den Bereichen Foto, Print, Funk und TV“. Die Zugriffe in den sozialen Medien hätten sich gegenüber 2023 mehr als verdoppelt. „Per Livestream des internationalen Verbandes WDSF war die ganze Welt zugeschaltet!“
Text: German Open Champonships / Pressebüro Binder