Tischtennis Frickenhausen – Nicht nur im Rollstuhlsport erfolgreich

Autor:Lara Auchter
Tischtennis Frickenhausen? Da war doch mal was… Richtig! Einst hatte der damalige TTC Frickenhausen in der Herren-Bundesliga gleich zweimal hintereinander den Titelgewinn gefeiert (2006, 2007), ehe nach einigen turbulenten Jahren 2018 der Rückzug aus dem Profisport erfolgte. Man schloss sich mit der Tischtennis-Abteilung des TSV Frickenhausen zusammen, agiert seit 2019 unter dem Namen Tischtennis Frickenhausen und betreibt seither erfolgreiche Basisarbeit im Breitensportbereich. Zum Aushängeschild des Vereins haben sich inzwischen allerdings die Rollstuhl-Sportlerinnen und -Sportler des TTF entwickelt. Anfang September präsentierten die Verantwortlichen bei ihrem Hauptsponsor ZinCo in Nürtingen ihre erfolgreichen Tischtennis-Cracks und gaben auch einen Einblick in die erfolgreiche Jugendarbeit des Vereins.
Die Cracks der ersten und zweiten Rolli-Mannschaft (von links) mit den erfolgreichen Jugendspielerinnen von TT Frickenhausen: Hakon Bjarkason, Nikolai Sommer, Jana Spegel, Thomas Brüchle, Andrei Soare. Fotos: SPORT.S
„Zum ersten Mal gehen wir in der neuen Saison gleich mit fünf Rollstuhl-Teams an den Start“, strahlt Anika Brüchle. „Unsere erste Mannschaft spielt weiterhin in der Bundesliga. Dazu haben wir gleich zwei Teams in der zweiten Liga, nachdem unsere dritte Mannschaft im Frühjahr von der Regionalliga aufgestiegen ist. Und dann gibt es für Neueinsteiger und Nachwuchsspieler auch noch unsere beiden Regionalliga-Teams“, berichtet die Abteilungsleiterin Rollstuhl-Tischtennis weiter.
Die Teams bestehen im Normalfall aus zwei oder drei Akteuren. Pro Liga-Duell absolvieren die beiden Einzelspieler jeweils zwei Partien, dazu kommt noch ein Doppel. Herz des Frickenhäuser Bundesliga-Teams ist nach wie vor der vierfache Paralympics-Teilnehmer und dreifache Weltmeister Thomas Brüchle, der nun zwei Neuzugänge an seiner Seite hat: Vom Bundesliga-Kontrahenten RSV Bayreuth haben sich Nikolai Sommer und das erst 17-jährige Talent Andrei Soare dem Team angeschlossen.
Das Bundesliga-Team des TT Frickenhausen.
Während das von zahlreichen internationalen Einsätzen eingespielte Duo Brüchle-Sommer sämtliche Bundesliga-Spiele im Doppel bestreiten soll, möchte Thomas Brüchle im Einzel Schritt für Schritt der Jugend das Feld überlassen. Hier stehen neben Andrei Soare aus der zweiten Mannschaft die junge Stuttgarterin Jana Spegel sowie der isländische Nationalspieler Hakon Bjarkason bereit, um in die großen Fußstapfen des 49-Jährigen zu treten.
Das Saisonhighlight hat für TT Frickenhausen bereits zum Beginn der neuen Spielzeit stattgefunden. Nach SPORT.S-Redaktionsschluss empfing der Verein seine sieben Bundesliga-Konkurrenten in der heimischen Sporthalle auf dem Berg des Erich-Scherer-Zentrums zum ersten Gesamtspieltag. „Der logistische Aufwand, um ein solches Wochenende mit allen Bundesliga-Teams stemmen zu können, ist immens mit Aufbau, Schiedsrichtern, Gastroständen, Ballkindern etc.“, erzählt Thomas Brüchle. „Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass uns der TSV Nusplingen künftig als Partnerverein tatkräftig mit einigen Helfern unterstützt.“
Eine noch größere Herausforderung steht Tischtennis Frickenhausen am 14. Februar 2026 bevor – denn da findet in eigener Halle ein kombinierter Spieltag von 2. Bundesliga und Regionalliga mit gleich 17 Teams statt.
Zurecht kann der Verein stolz auf das sein, was seit der Gründung der Abteilung Rollstuhl-Tischtennis entstanden ist. „Wir haben 2020 klein angefangen, und dann kamen plötzlich Leute aus Heidelberg, Augsburg und anderen Städten zu uns, weil sie in ihren Vereinen die einzigen Spieler im Rollstuhl waren und in Frickenhausen zum ersten Mal richtig trainieren konnten“, weiß TT-Manager Jürgen „Max“ Veith, und Anika Brüchle ergänzt: „Wir haben inzwischen nicht mehr nur Rollstuhlsportler, sondern auch stehende Spieler mit verschiedenen Einschränkungen, die ebenfalls sehr erfolgreich sind.“
Die kontinuierliche Vereinsarbeit mit momentan acht lizenzierten Trainerinnen und Trainern macht TT Frickenhausen parallel zum Rollstuhl-Tischtennis aber auch im Nachwuchs- und Breitensport erfolgreich. „Unsere Mädchen mischen inzwischen in allen Altersklassen im Bezirk ganz vorne mit. Die Mädchen 15 sind in die höchste Jugendklasse aufgestiegen und wollen dort dieses Jahr angreifen. Schon jetzt verstärken sie zum Teil unsere Frauen zwischen Bezirksklasse und Regionalliga“, schwärmt die zweite Vorsitzende Stephani Sterr. „Und auch bei den Jungs haben wir erfolgreiche Teams in allen Altersklassen. Im Training stehen inzwischen regelmäßig über 40 Jugendliche an der Platte. Die Männer sind nach dem Bundesliga-Rückzug vor ein paar Jahren wieder in der Bezirksliga angekommen. Auch sie sind auf einem guten Weg.“